Körperliche Krankheiten

Als „Heilpraktiker für die Psyche“ bin ich nicht für die Behandlung körperlich manifester Krankheiten zuständig. Dennoch behaupte ich, dass jede Krankheit auch einen psychischen Anteil hat, und zwar nicht nur als Mit-Ursache, sondern auch als Folge der Krankheit. Eine Unterstützung durch psychotherapeutische Verfahren kann deshalb auch bei körperlichen Krankheiten angebracht sein.

Ich denke dabei an die Geschichte von dem todkranken Patienten, über den bei der Visite der behandelnde Arzt seinen Kollegen zuflüstert: „Moribundus“ (ein Sterbender). Der Arzt verwendet das lateinische Wort, um den Patienten nicht unnötig aufzuregen. Dieser missversteht das Wort jedoch und meint, der Arzt habe damit sagen wollen, er werde bald wieder gesund sein. Nach einigen Tagen ging es ihm wieder besser, und Wochen später konnte er als geheilt entlassen werden. An dieser Anekdote sieht man, wie Suggestionen wirken können. Ob es allerdings eine wahre Geschichte ist, kann ich nicht beschwören. Wenn Sie wahre Geschichten lesen oder sehen wollen, schauen Sie in das Buch von Clemens Kuby „Heilung - das Wunder in uns“ oder schauen Sie den bekannten Film von Joachim Faulstich „Rätselhafte Heilung“, der einige Mal im deutschen Fernsehen wiederholt wurde (in mehreren Teilen auf YouTube zu sehen).

Bei einer Anzahl von Krankheiten spricht man von psychosomatischen Krankheiten. Damit ist gemeint, dass diese Krankheiten zwar einen erkennbaren körperlichen Befund mit organischen Veränderungen aufweisen, dass aber seelische Ursachen hauptsächlich mitverantwortlich für deren Entstehen sind, bzw. dass die Krankheit ohne eine bestimmte Verletzung auf der seelischen Ebene nicht entstanden wäre. Bei Krankheiten, deren Hauptursache eine seelische Verletzung oder sonstige anhaltende Störung ist, gilt es die psychische Ursache anzugehen.

Darüber hinaus weiß man heute aus der Placebo-Forschung, dass man auf viele Krankheiten, die nicht im engeren Sinn psychosomatisch sind, positiv Einfluss nehmen kann, wenn der Patient an die Heilkraft eines Medikaments oder Verfahrens glaubt. Jedes Medikament hat neben seiner pharmazeutischen Wirkung auch eine Placebo-Wirkung. Dieser Glaube ist meiner Meinung nach nichts anderes als eine Autosuggestion bzw. die Suggestion, die der Patient vom Arzt übernimmt. Wenn es sich um ein Placebo handelt, hat nicht das Medikament die Krankheit geheilt, denn dieses besitzt ja gar keine Wirkstoffe, sondern die Überzeugung des Patienten - sein Glaube - hat seine eigenen Selbstheilungskräfte aktiviert. Mit der Hypnose und der Kraft von Suggestionen wird versucht, auf diese Selbstheilungskräfte positiv Einfluss zu nehmen. Man könnte zum Beispiel krankheitserhaltende Glaubenssätze identifizieren und durch effektivere ersetzen.

Andere Leiden, die sich zwar auf der körperlichen Seite zeigen, z.B. durch Schmerzen oder andere meist wechselnde Beschwerden, für die es aber keinen sichtbaren organischen Befund gibt, nennt man somatoforme Störungen. Für diese Beschwerden werden psychische Ursachen angenommen.